Dass die Welt nicht untergegangen ist, nur weil es sich ein paar Bekloppte gewünscht haben, ist eine für mich sehr beruhigende Erkenntnis.

Achtungvorsicht: Der nachfolgende Text könnte Wörter und Sätze mit ironischen bis polemischen Tendenzen enthalten. Zudem möchte ich vor einer sehr eigenwilligen Interpunktion warnen.

Nun bleibt mir wieder Zeit, um mich den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Denn es gilt im Deitscheland einige spannende Diskussionen zu verfolgen.

So wurde zum Beispiel in dieser Woche höchstministerlich geklärt, dass man eine bei Christen extrem beliebte Romanfigur auch als Neutrum bezeichnen darf.

„Das liebe Gott“ – da wirkt die gelebte Fiktion so richtig schön wohlig und menschelnd.

Mit großer Bestürzung musste ich erkennen, dass ich mich des Lesens rassistischer Literatur schuldig gemacht habe. Denn Astrid Lindgren hat in ihre Pipi Langstrumpf Bücher* einige pöse Worte reingeschrieben. Wie zum Beispiel „Negerkönig“. Das ich hier mit allergrößtmöglicher Distanz zitieren möchte.

Überhaupt ist die deutsche Sprache schon wieder extremst gefährdet. Sie wird gekürzt und verstümmelt.

Man stelle sich vor, die Welt wäre hoppsgegangen, bevor wir das ausdiskutiert hätten.

Ich fasse zusammen:

  • Das ist als Artikel nicht nur für Transen politisch korrekt;
  • Pöse Worte sind echt scheiße, nur wer sie nicht seinen Kindern vorliest, kann Ministerinin werden;
  • das Bedienen von Mobiltelefonen sollte Kindern erst ab 18 Jahren gestattet werden. Das Versenden von SMS wird ab 14 Jahren freigegeben.

Zur Vorkriegsgeneration zählend, bin ich jetzt ein klitzeklein wenig verunsichert. Dem Trend folgend, möchte ich mich selbstverfreilich politisch korrekt ausdrücken und sprachbewahrend verhalten. Aber wie soll ich in Zukunft schreiben?

Darf ich meinen Weihnachtskaktus noch Weihnachtskaktus nennen, otter muss ich ihn als „Kakteengewächs das bevorzugt während der lichtarmen Jahreszeit zu blühen pflegt“ deklarieren?

Gilt für die Mistel die Bezeichnung Schmarotzerpflanze oder ist sie „eine Art, die von der Natur dazu gezwungen wurde, sich vom Saft anderer Pflanzen zu ernähren“?

Misteln

Kann der Osterkaktus religiöse Gefühle verletzen, soll ich ihn als „Schalömchenramadanbarmitzwanirvana…“ beschreiben? Oder ist es gar schon verwerflich, solch eine Pflanze auf dem Fensterbrett stehen zu haben?

Wäre der Chinesische Liguster ein „Ölbaumgewächs mit ostasiatischem Migrationshintergrund“? Aber Ölbaumgewächs klingt so fettig und ungesund und schmierig. Darf man Pflanzen Namen geben, die an Versicherungsberater erinnern? Ist ungesund und fettig konform mit den gesundheitlichen Bestrebungen der Europäischen Kommission?

Greisenhaupt

Nur ganz arg politisch unkorrekte Zeitgenossen nennen Cephalocereus senilis „Greisenhaupt“.

Ich bin ganz verwirrt und stelle fest, ich hätte diesen Artikel nicht schreiben sollen. Aus diesem Grund distanziere ich mich von dem oben gesagten. Und von meinem Leben. Von Astrid Lindgren, der Kuh Elsa und Kermit dem Frosch.

* Falls Bindestrichlens gefehlt haben könnten, hier als Nachlieferung: -.